KI produziert Bilder, Musik, Texte, Videos. Was das für den Wert menschlicher Kreativität bedeutet, ist noch nicht entschieden.
Generative KI produziert in Sekunden, was früher Stunden, Tage oder Jahre brauchte. Ein fotorealistisches Bild aus einem Textsatz. Eine vollständige Musikproduktion im Stil eines bestimmten Künstlers. Ein Kurzfilm aus einem Skript-Prompt. Das ist nicht mehr experimentell. Das ist Werkzeug.
Die Kreativwirtschaft reagiert gespalten. Adobe, Getty, Shutterstock haben eigene KI-Modelle entwickelt, trainiert auf eigenen, lizenzierten Inhalten. Gleichzeitig klagen Fotographen, Illustratoren, Musiker dagegen, dass ihre Werke ohne Einwilligung und Vergütung als Trainingsdaten verwendet wurden. Die Rechtsfrage ist weltweit offen.
Die WGA, der Drehbuchautoren-Streik 2023 in Hollywood, war der erste große Arbeitskampf, der explizit KI-Regeln in einem Tarifvertrag verankert hat. Das ist ein Präzedenzfall, nicht ein Einzelfall.
Auf Spotify werden täglich über 100.000 neue Tracks hochgeladen. Ein wachsender Teil davon ist KI-generiert oder KI-assistiert. Die Plattform hat begonnen, Streams von Bots zu filtern. Wie sie mit KI-Musik umgeht, ist noch nicht entschieden.
Das Handwerk der Kreativberufe, Illustrieren, Texten, Komponieren, wird zur Commodity. Was bisher jahrelange Ausbildung erforderte, ist jetzt für jeden zugänglich. Das demokratisiert Kreation. Und es entwertet die Leistung derer, die das Handwerk erlernt haben.
Was steigt im Wert: Haltung, Kontext, Kuratierung. Die Person, die entscheidet, welche Frage gestellt wird. Die Person, die einschätzen kann, ob ein KI-Ergebnis gut, stimmig, ehrlich ist. Der Mensch als Redakteur und Qualitätssicherung seiner eigenen kreativen Produktion.
Inhalte werden billiger. Aufmerksamkeit wird knapper. Das ist die andere Seite: In einer Welt, in der alles produzierbar ist, wird die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu verdienen und zu halten, zum eigentlichen Engpass. Kultur verändert sich nicht, weil sie schlechter wird, sondern weil Überfluss ein anderes Problem ist als Mangel.
Das Urheberrecht, gebaut für eine Welt menschlicher Autorenschaft, ist nicht auf diese Transformation vorbereitet. Wer ist Autor eines KI-generierten Werks? Wem gehört es? Auf welcher Grundlage wurde trainiert?
Wenn ein KI-Modell im Stil eines Künstlers arbeitet, ohne den Künstler je gefragt oder vergütet zu haben: Wessen Leistung ist das? Und was schuldet eine Gesellschaft denen, deren kreatives Leben zur Grundlage einer Technologieindustrie wurde?